S.

2011: Schneewittchen in Aleppo

 

 

 

 

 

 

 

          

 

 

 

 

 

 

 

 

Pechschwarzes Haar, schneeweiße Haut. Alles wie bei Schneewittchen. Nur ohne Happy-End.

 

Mit 26 hat S. einen Mann geheiratet, den sie nie geliebt hat. Das war nachdem Syriens Regime die Kommunisten verfolgt hat, von denen viele in Ermangelung anderer Perspektiven Islamisten wurden. 1982 kamen die an die Reihe: das Regime massakrierte die Muslimbrüder im Umkreis von Aleppo.

Wäre erstes nicht passiert, hätte die Kommunistin S. vielleicht einen anderen Kommunisten gefunden, der besser zu ihr passt.

Und wäre zweites nicht passiert, würde Aleppo wohl kaum seit den Achtzigern zu den best überwachten Flecken des Landes gehören.

So aber ist alles tot. Aleppo. S‘s Ehe. Eigentlich ihr ganzes Leben.

File 9181

Oasen.

Damaskus.

Tripoli.

Beirut.

„HEEE?!“

2006 im Taxi von Bint Jbeil nach Tyrus

 

“Zigarette?” brüllt mich der Taxifahrer an. Er ist

klein und Mitte Vierzig. Vielleicht auch erst Mitte Dreißig. Hier sehen alle älter aus, als sie sind.

 

Die Zigarette ist der Auftakt zu den üblichen

Fragen – “aus wessen Haus stammst du?”,

“wo lebst du?”, “was arbeitest du?”, “wann bist

du angekommen?”, “verheiratet?”, “Kinder?”

 

Bint Jbeil gilt als Hochburg der Hizbollah und

vielleicht eruiert er die Lage für die Partei Gottes.

Oder aber ...

 

 

 

Hier einige - chronologisch   unsortierte - Notizen. Man verstehe diese Seite also wie einen dieser Kartons, die man so in Schrankecken hat.

Was zum Durchkruscheln.

 

 

 

 

 

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Ja, was ist eigentlich aus denen geworden?

Den Menschenrechten in Bahrain..

 

2011 schrien die mehrheitlich schiitischen, aber

von einer sunnitischen Minderheit unterdrückten

Bahrainis kurz auf - bis die saudischen Panzer einrückten und alle Freiheitsbestrebungen platt walzten. Heute, 2017, erinnert sich kaum mehr jemand daran, dass das Feuer der „Arabellions“

auch in dem kleinen Inselstaat einmal kurz aufloderte.

 

Ruhe wird es deshalb nicht geben. Weder in

Bahrain, noch sonstwo im Mittleren Osten.

 

Der Hass zwischen Sunniten und Schiiten ist in den letzten Jahren so unglaublich angeschwollen - -

Und nun, da die Schiiten gleich in 3 wichtigen Ländern - Irak, Syrien und Libanon - politisch und militärisch auf der Gewinnerstraße sind, und dort obendrein den Sunniten auch demographisch

über den Kopf zu wachsen beginnen……

 

Das wird noch sehr viel Aufruhr geben.

Denn für die meisten Sunniten sind die Schiiten

nur verachtungswürdige Underdogs.

Und 1400 Jahre lang fügten sie sich ja auch in diese Rolle. Dass das einstige „Ungeziefer“ jetzt groß rauskommt, gilt vielen Sunniten als „Verkehrung der göttlichen Weltordnung“, wie Joshua Landis in einem Interview 2016 treffend sagte. Das werden sie nicht schlucken. Sie können es nicht.

 

 

 

 

Damaskus 2010: 3 Monate vor Ausbruch der Aufstände.

So sah es damals aus zu X-Mas.

Und die Muslime haben mitdekoriert.

 

Heute - 2013 - möchte man das alles für Fake halten. Für eine Idylle, die sich dem vom Regime verhängten eisernen Vorhang der Harmonie verdankt.

Ich bin mir da nicht so sicher. Je länger das Schlachten währt, desto wehmütiger blicken viele Syrer, die ich kenne, auf das damalige Miteinander zurück. Insgesamt scheint mir die Sehnsucht nach einem erneuten friedlichen Mit– oder zumindest Nebeneinander zu überwiegen. Auch wenn es unbestritten viele Hetzer gibt.

 

Man sehe sich zur X-Mas-Wut übrigens auch einmal die damaligen Beobachtungen des Journalisten Karim al-Gawhary auf seinem Blog bei der taz an, in Bezug auf Ägypten.