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Yousef Abdelki wieder frei

22. August 2013

 

Es gab unendlich viele Verhaftungen seit dem März 2011.

Und die des 62-jährigen Malers Youssef Abdelki am

18. Juli 2013 gehört zu denen, die vergleichsweise

glimpflich endete: Nach einem Monat und 3 Tagen,

ohne Folter und Martyrium.

Dennoch hat sie mich besonders berührt.

 

Ich habe Abdelki im Frühjahr 2012 in seinem Damaszener

Wohnatelier getroffen, und schon damals — noch ehe groß

die Rede von Jihadisten und den Machenschaften des

Senders Al Jazeera war — war er sehr besorgt.

Weil es nicht eine, sondern x-freie syrische Armeen gäbe.

Weil keine von ihnen ein Konzept habe, sondern alle

nur „Regimesturz“ brüllen und jedem zu folgen bereit

seien, der ihnen das verspreche. Weil Al Jazeera

schmutzige Spielchen spiele und die Demonstrationen

etwa der syrischen Drusen unterschlage, um zu

suggerieren, dass es sich um eine rein sunnitische

Angelegenheit handle, die sich gegen Schiiten richte.

Nicht anders als Saudi-Arabien missbrauche Qatar

die syrische Revolte, um den Kampf Sunna vs Shia

anzuheizen. Auch die Beliebtheit des Syrischen

Nationalrats (SNR), der sich damals als Nr. 1 unter

den syrischen Oppositionsforen etablieren wollte und

der nach ausländischer Einmischung schrie,

habe Al Jazeera gepusht und aufgemotzt:

In ihren Berichten von syrischen Massendemos zeigten

die Redakteure nur die Schildchen, auf denen

Demonstranten „Der SNR repräsentiert mich“

geschrieben haben—alles andere wurde rausgeschnitten.

 

Abdelki fragte sich auch, woher der Stoff für die 

ellenlangen Unabhängigkeitsflaggen stamme —

in einem Land, das damals noch gänzlich im Griff

des Regimes lag, und in dem der Kauf

grüner Stoffrollen besonders verfänglich war

(die aktuelle syrische Staatsflagge hat keinen

grünen Streifen)

 

Abdelki war und ist gegen jede ausländische Einmischung.

Insofern ist er seiner Einstellung aus seinen Exiljahren treu  geblieben: nach seinen Verhaftungen zwischen 1978 und 1981 (er war Mitglied der kommunistischen Arbeiterpartei) ging er nach Paris und kehrte erst 2005 zurück — als Syrer. Eine andere Staatsbürgerschaft wollte er nie, obwohl er allein schon aufgrund seiner Bekanntheit als Künstler ganz andere Möglichkeiten gehabt hätte.

 

 

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Kurz vor seiner Verhaftung 2013 hatte Abdelki eine Petition unterzeichnet, die zu einer friedlichen

und politischen Lösung des Konflikts aufrief. Der Rücktritt Baschar al-Assads und eine

Übergangsregierung unter UN-Beaufsichtigung sollten die ersten Schritte in ein demokratisches Syrien sein.

 

Nach seiner Freilassung antwortete Abdelki auf die Frage nach dem Grund für seine Verhaftung: Es sei wohl nichts Akutes gewesen. Sondern einfach, weil er dem Regime gegenüber schon immer renitent gewesen sei.

Quelle oben und unten: Youssef Abdelki

Quelle: Syria Matters Blog